Die Menschen waren im Mittelalter nicht dümmer als heute – der grundlegende Unterschied besteht vielmehr darin,  dass sie nicht dieselbe Denkart oder dasselbe Weltbild, nicht denselben Alltag und dieselbe Lebenserwartung, nicht dieselben Betten und dieselbe Kleidung wie wir heute hatten. Ritter waren professionelle Kämpfer (lat. milites), die Land besaßen und meist adeliger Herkunft waren. Der Begriff Ritter leitet sich vom Reiten ab, da es sich um schwer gepanzerte Reiter handelte.

Die Andersartigkeit beginnt schon bei den Materialien, aus denen die Gegenstände des Alltags gefertigt waren: Ein Löffel aus Holz oder ein Kamm aus Tierknochen erscheinen uns heute primitiv oder besonders fremdartig, waren jedoch geniale, technisch einfache Lösungen für alltägliche Probleme. Viele dieser Alltagsgegen-stände blieben in unseren ländlichen Bereichen bis ins frühe 20. Jahrhun-dert hinein in Gebrauch. Auch in der Landwirtschaft hat sich vieles verändert, weil z.B. leistungs-stärkere Tierrassen gezüchtet wurden. Diese neuen Rassen haben mit den Rindern oder Schweinen des Mittel-alters und der Neuzeit nicht mehr viel gemein. Die Andersartigkeit zeigt sich auch am Konsumverhalten, das sich von unseren heutigen Gewohnheiten stark unterscheidet. Man produzierte die notwendigen Konsumgüter meist selber und verkaufte oder tauschte sie auf dem öffentlichen Markt. Da wenig Geld im Umlauf war, blühte das Tauschgeschäft. Im Gegensatz zu unserer industrialisierten, individualisierten Welt erscheint das stark gemeinschaftliche einfache Leben des Mittelalters heute fremdartig, in seiner Direktheit und Anschaulichkeit aber auch faszinierend.

 

Vechta entwickelte sich aus einer Osnabrücker Zollstation, die Teil eines um 1070 vom Osnabrücker Bischof Benno II. errichteten Herbergssystems war. Unter den Ravensbergern erlangte Vechta Bedeutung als Grenzstadt, Moorpass, Burg, Marktort und wichtige Niederungsfurt.

Als strategische Zollstation war Vechta klug gewählt: Es lag an der Rheinischen Heerstraße, einem Handelsweg, und zwar relativ mittig zwischen Bremen und Osnabrück, so dass man nach zwei Reisetagen meistens hier Rast einlegte. Um 1100 erhielten die Grafen von Ravensberg das Grenzgebiet zwischen Leri- und Dersagau als kaiserliches Lehen. Der Kaiser verlieh ihnen wahrscheinlich kurz darauf zusätzlich das Stapelrecht für Vechta: Kaufleute mussten nun einen Tag in der Stadt verbringen und ihre Waren den Einwohnern zum Kauf anbieten. Daraus entstand der Stapelmarkt (heute der Stoppelmarkt), den man mit dem Kirchweihfest am 15.08. verband. 1577 wurde er wegen der Pest vor die Tore der Stadt verlegt. Die Grafen von Ravensberg herrschten bis 1252 über weite Teile der heutigen Landkreise Vechta und Emsland. In diesem Jahr verkaufte Gräfin Jutta von Ravensberg die Besitztitel der Herrschaft, nachdem sie 1251 den Graf von Monschau in der Eifel geheiratet hatte. Der Bischof von Osnabrück wäre nun in der Lage gewesen, sein ehemaliges Lehen zurückzubekommen, aber: Laut Sage war er nicht zahlungsfähig (oder sah nicht ein, dass er dafür bezahlen sollte). Daher erwarb der Bischof von Münster die Besitztitel auf das Lehen. In Anspielung auf die beiden Schutzpatrone der Bistümer sagte Jutta dazu: „Wenn Peter nicht will, nimmt’s Paul!“ Doch das ist eine Sage, die nicht verbürgt ist.

Ritter waren professionelle Kämpfer (lat. milites), die Land besaßen und meist adeliger Herkunft waren. Der Begriff Ritter leitet sich vom Reiten ab, da es sich um schwer gepanzerte Reiter handelte.

Könige brauchten Gefolgsleute, auf deren Hilfe und Treue sie zählen konnten (Vasallen). Um diese Treue in jeder Situation zu beweisen, (auch am Hof des Herrschers und bei teuren Turnieren) musste der Vasall gut ausgerüstet sein, was sehr kostspielig war. Daher gab ihm der König zur Belohnung Land, dessen Bewohner Abgaben leisten mussten. Rein rechtlich gesehen verliehen die Könige das Land an ihre Dienstmannen, die ihr Land wiederum an mehrere eigene Gefolgsleute verliehen. Deshalb spricht man beim Land von einem Lehen (beneficium) und beim Belehnten von einem Lehensmann. Ein Lehen konnte allerdings auch aus besonderen Rechten oder Titeln wie Graf und Herzog bestehen. Die Abgaben des Lehens bekam nun der neue Lehensherr, der ebenfalls seine Abgaben nach oben entrichten musste. Dadurch bildete sich die Gruppe der reichen, berittenen Vasallen, die genug Geld für Rüstung, Pferd und Lebensstil hatten, um den Titel eines Ritters führen zu können. Aber nicht alle Adeligen waren Ritter, denn diese Bezeichnung war eine große Ehre und zog hohe Kosten für die Ausrüstung nach sich. So blieben viele Adelige sogenannte Edelknechte, da sie nicht über genügend großen Landbesitz oder Lehen verfügten, um das aufwändige Ritterleben zu finanzieren. Zum Schutz ihres Besitzes befestigten sie zentrale Plätze, aus denen Burgen entstanden, von deren Bezeichnung sich später die adeligen Familiennamen („von“) ableiteten.

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