Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen

Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen

Der bekannte Lügenbaron wurde im Mai 1720 in Bodenwerder an der Weser geboren. Schon früh entwickelte er eine Liebe für das Militär. 1738 ging er nach Russland und kämpfte gegen die Türken. Bekanntheit als genialer Erzähler erlangte Münchhausen, inzwischen nach Norddeutschland zurückgekehrt, ab 1750. Viele seiner Geschichten beruhen auf seinen Erfahrungen im Krieg. So auch der bekannte „Ritt auf der Kanonenkugel“. Auf seinem Gut in Bodenwerder lebte er über 40 Jahre und gab bei vielen Anlässen seine Lügengeschichten zum Besten.
Am 22 Februar 1797 starb Münchhausen.
Eine, eigentlich in Litauen spielende, Geschichte des Barons, in der es um einen Ritt Münchhausen auf einem gedeckten Teetisch geht, wurde von Maria Schröder auf das Gut Daren bei Vechta übertragen. Hier hielt sich der Freiherr des Öfteren auf, da seine Schwester mit den Freiherrn v. Frydag verheiratet war. Dieses plattdeutsche Gedicht „Münchhausen auf Schloß Doorn“ ist durch seine konkrete Handlung auch für Menschen verständlich, die nicht des Plattdeutschen mächtig sind.

Christoph Bernhard Graf von Galen (1606-1678, Bild um 1661)

„Christoph Bernhard von Galen und seine Vechtaer Zitadelle“
Die absolutistische Militärgeschichte im Fürstbistum Münster

Christoph Bernhard Graf von Galen ist ein typischer Vertreter eines absolutistischen Fürstbischofs. In seiner Münsterischen Amtszeit von 1650 bis 1678 betrieb „Bommen-Bernd“ nicht nur mit seinen insgesamt neun Zitadellenanlagen europäische Großmachtpolitik. Er setzte die Gegenreformation in seinem Fürstbistum durch, reformierte das Schul- und Finanzwesen. Gescheitert ist er letztlich an den von ihm inszenierten Kriegen. Dass Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen ebenfalls zu Von-Galen’schen Soldaten in den Türkenkriege zählte, ist falsch. Fest steht, dass er häufig seine Schwester auf Gut Daren besuchte. Überprüfen Sie selbst, ob die Kanonenkugel des Lügenbarons im Museum aufbewahrt wird – Lüge oder Wahrheit?

Harnischmacher als Mitglieder des Schmiedezunft. Holzschnitt in dem 1477 in Augsburg gedruckten „Spiegel des menschlichen Lebens“ von Rodericus Zamorensis. Aus: Ludwig, Karl-Heinz / Schmidtchen, Volker: Metalle und Macht. 100 bis 1600. Propyläen Technikgeschichte, Bd. 2. Berlin 1997, S. 358.

Das Schmiedehandwerk ist die Kunst der Metallverarbeitung. Seine Professionalisierung begann mit der Entdeckung der Bronze und des Eisens; letzteres gewann man in unserer Region durch die Verhüttung von Raseneisenerz.

Ein Schmied ist ein Spezialist für die Herstellung bäuerlicher und handwerklicher Arbeitsgeräte, Waffen, Schmuck sowie Haushaltsgeräte. Man unterscheidet innerhalb des Schmiedhandwerks zwischen den Grobschmieden, die sich eher auf Werkzeugherstellung spezialisiert haben,  und den Feinschmieden, die eher filigrane Arbeiten fertigen. Der Schmied genoss ein hohes  Ansehen in der Gesellschaft. Er gilt als Meister der vier Elemente: Sein Material bezieht er aus der Erde, mit der Luft bringt er es zur Glut, mit Feuer und Wasser bearbeitet er es. Dieser Umwandlungsprozess des Eisens besitzt etwas geheimnisvolles, weshalb der Schmied auch in der Mythologie wichtige Rollen spielt: Bei den Griechen war der Gott Hephaistos  ein Schmied, bei den Römern hieß er Vulkan. In der germanischen Sage fertigte der Schmied Regin das Schwert Balmung für Siegfried, der damit den Lindwurm erstach. Und dem Schmied Wieland wurden von seinem Feind König Nidung die Kniesehnen durchtrennt, damit er seine hohe Kunst der Waffenherstellung nicht in den Dienst anderer stellen konnte.

Der Sprengepiel-Hund Denkmal in der Kronenstraße/Sprengepiel-Platz

Die Sage vom Rittmeister Lambert Sprengepiel, der von den Franziskanermönchen nach seinem Tode verflucht wurde, um als schwarzer Hund bis in alle Ewigkeit umzugehen, wird bis heute in Vechta erzählt. Sein historisches Pendant lebte unter gleichem Namen um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Vechta (1640 bis 1658/1664). Sprengepiel befehligte auf katholischer Seite eine freie Kompanie von 81 Söldnern, die vorwiegend in protestantischen Gebieten angeworben worden waren. Ihnen gegenüber stand seit 1647 die schwedisch-protestantische Besatzung Vechtas.

Die Geschichte des historischen Sprengepiels ist ein Beispiel für den Aufstieg und Fall eines Emporkömmlings im Dreißigjährigen Krieg. 1643 kaufte er das direkt vor der Stadt gelegene adelige Gut „Valkenrott“, das heutige Zitadellengelände. Entgegen des damals noch weitgehend protestantischen Vechtas blieb er Parteigänger und Förderer der Katholischen Kirche. Als 1647 der schwedische General Feldmarschall von Königsmarck Vechta besetzte, war Sprengepiel für diesen wie ein Dorn im Fleisch. Sprengepiel verbreitete mit seinen mehr oder weniger geheimen Operationen Angst und Schrecken. Die Tatsache, dass man seiner nicht habhaft werden konnte, führte in der Bevölkerung zur Mythenbildung. Welche Rolle Sprengepiel bei dem Abzug der Schweden 1654 spielte, ist unbekannt. Den Einzug der Münsteraner Truppen unter dem Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen wird er unterstützt haben. Danach wurde er von seinem Landesherrn wegen seiner früheren Umtriebe fallen gelassen und möglicherweise verbannt, in der Sage dazu verflucht, als schwarzer Hund „auf Ewigkeit die Heide“ zu zählen.

Der dreißigjährige Krieg und Oberst Sprengepyl

„ Im dreißigjährigen Kriege haußte der Kaiserliche Oberst Sprengepyl in Vechta und der Umgebung mit seinen Reißigen. Mit dem Teufel im Bund führte er manches Wagestück aus, und waren ihm die Schweden auf dem Halse, so verwandelte der Teufel ihn und seine Leute in Gebüsche, an welchen die Schweden vorüberzogen, ohne Arges zu ahnen. Einstens sogar verrichteten die Schweden ein Bedürfnis an den Büschen, und als sie sich entfernt hatten und die Metamorphose aufhört, hatten die Sprengepyler den Urin an den Stiefeln. Nach geschlossenem Frieden lebte Sprengepyl in Saus und Braus von den eroberten Schätzen auf seinem Gute Falkenrott bey Vechta, als der Teufel nach abgelaufener Frist seinen Lohn verlangte und ihn aus einer zahlreichen Gesellschaft entführte. Sein Geist geht seitdem in der von den Höllengeistern geliebten Gestealt eines großen schwarzen Kettenhundes mit glühenden Augen, wie Kohlschüsseln, eine rasselnde Kette um den Hals des Nachts in Vechta auf der Straße spuke. Als Vechta noch Münstersche Besatzung hatte, machte sich der Geist, seines früheren Standes eingedenk, ein Vergnügen daraus, die in ihren Schilderhäusern eingeschlafenen Wachen zuwecken, indem er ihnen die Vorderfüße auf die Brust setzte, oder mit Möhren die offen gelassenen Thore zu verriegeln, welche dann des Morgens nach der Geisterstunde die Schweine wieder öffneten. Hatte er in Vechta nicht hinreichende Beschäftigung, so erstreckte er seine Excursionen wohl auf eine Stunde Weges und weiter in die Nachbarschaft hinein. Doch scheint er seit längerer Zeit so großes Vergnügen nicht mehr daran zu finden, denn nur selten hört man noch davon.“

Das ist die Sage, wie sie 1853 erstmals von C.H.Nieberding in den Osnabrücker Mitteilungen veröffentlicht wurde. Es gibt noch weitere Fassungen, die allesamt von einem Feldobristen des 30jährigen Krieges namens Sprengepiel und seinen Leuten erzählen, welche im Bund mit dem Teufel sind und allerlei Unternehmen in Vechta und Umgebung bestehen, bis der Teufel eines Tages seinen Tribut fordert und Sprengepiel als Hund verflucht durch die Straßen ziehen muss. Fakt ist : Es gab während des 30jährigen Krieges tatsächlich einen Sprengepiel in Vechta. Dieser war jedoch Rittmeister, kein Feldobrist, und mit seiner Kompanie in der Gegend berüchtigt. So zogen sie 1642 gegen ein schwedisches Kommando in Stemshorn und brannten dabei Teile des Dorfes nieder. Anfang Februar1643 überfielen sie Kropendorf, des weiteren wird im gleichen Jahr noch von eigenmächtigen Zöllen Sprengepiels auf der Weser berichtet. Am 3. Mai 1643 kaufte Sprengepiel das Gut „Valkenrott“, welches im Bereich der heutigen Sprengepielstrasse-Falkenrotter Strasse-Moorkämpe lag. In den folgenden Jahren kaufte er weitere Immobilien, zum einen 1645 die „Grüneken Wohnung“, zum anderen 1658 den Windmühlenplatz Richtung Oythe. Das lässt darauf schließen, dass Sprengepiel vermögend gewesen sein muss, als er irgendwann zwischen 1658 – 1664 starb. Man vermutet, dass er vier Kinder hatte, zwei Töchter und zwei Söhne, deren vermeintliche Nachfahren noch heute die Stadt Vechta kontaktieren.

Wie kommt es aber nun zur Sage um Sprengepiel?

Wie für Sagen typisch wurden Wahrheit und Fiktion vermischt. Der Aberglaube der Bevölkerung und die Zustände gegen Ende des 30jährigen Krieges spielten dem wesentlich bei. Vechta wurde vielfach besetzt und die ständig wechselnden Machtgruppierungen stifteten einiges Chaos. In Vechta und Umgebung waren Truppen verschiedenster Art stationiert, die alle im umliegenden Gebiet neben den vorhergesehenen Leistungen Sonderabgaben in Form von Naturalien und andere „Verehrungen“ erpressten. Bei Verweigerung drohten Qual, Raub und Mord. Die Sprengepielschen Reiter gehörten zu diesen Soldaten und waren für ihre Überfälle berüchtigt. Das leidende Volk gab stets den Anführern der Truppen die Schule, zu denen auch Sprengepiel gehörte. Im Vechtaer Raum schloss man somit den Kreis, indem man ihm alles Schlechte wünschte und Sprengepiel vom Teufel holen und als großen, schwarzen Hund spuken ließ. Nahrung erhielt die Sage durch einige angeblich mysteriösen Ereignisse nach dem Bau der Zitadelle, so dass sie bis heute noch in und um Vechta rum bekannt ist.

 

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausens

"Simplicissimus in Vechta" Grimmelshausen, der Dreißigjährige Krieg und die Sage des Feldobristen Sprengepiel

Grimmelshausen beschreibt mit seinem „Simplicissimus“ wie kein anderer Autor seiner Zeit ein anschauliches Bild des großen Deutschen Krieges und seiner Greuel. Dabei ist es kaum bekannt, dass er auf seinen Feldzügen auch in Vechta weilte. Hier hat in der mündlichen Überlieferung eher die historische Figur des Feldobristen Lambert von Sprengepiel seine nachhaltigen Spuren in der Sagengestalt des „Schwarzen Hundes“ hinterlassen. In der Ausstellung wird der Dreißigjährige Krieg wieder lebendig. Sie zeigt über die Tradition der Christi-Himmelfahrts-Prozession in Vechta seine Wirksamkeit bis in heutige Zeiten.

 

Grimmelshausen in Vechta

Brecht und Grimmelshausen

Als Bertolt Brecht 1938/39 sein Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ verfasste griff er den Namen „Courage“ aus dem Roman Ausführliche und wundersame Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen(1621-1676) auf, der am Beispiel einer Zigeunerin beschreibt, wie die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) zur sittlichen und menschlichen Verwahrlosung führen. Grimmelshausens Werk zählt zu den bedeutendsten Schöpfungen der deutschen Literatur. In seinem Mittelpunkt stehen die Abenteuer des Simplizissimus, ein Schelmenroman, in dem Grimmelshausen schonungslos die Schrecken des Krieges beschreibt. Der Roman ist der erste Band einer Trilogie, zu der auch der Courasche-Roman und Der seltsame Springinsfeld gehören. Brecht, der Grimmelshausen wegen seiner unheroischen Darstellung des Krieges schätzte, übernahm jedoch weder die Handlung des Romans noch den Charakter der Titelfigur. Im Gegenteil - bei Grimmelshausen ist die Courage - eine Soldatenhure mit starker erotischer Ausstrahlung, diesbezüglich eher dem Typus der Yvette ähnlich; - unfruchtbar (hat aber sieben verschiedene Ehemänner; vgl. die drei verschiedenen Väter von Eilif, Schweizerkas und Kattrin); - von hoher Geburt. In der Trilogie, die die Hauptpersonen zu den Erzählpersonen werden lässt, ist der Anlass für die Niederschrift der Erlebnisse der Courasche Rache an Simplizissimus.

 

Grimmelshausen/ Simplizissimus und die Courasche in Vechta

Die Literaturforschung – besonders die Grimmelshausen-Gesellschaft – hat die stark autobiografischen Züge der Romane Grimmelshausens nachgewiesen. Die Courasche verliert im November 1627 (Kap.11) nur wenige Tagesreisen von Vechta in Hoya an der Weser einen ihrer Männer. Von Simplizissimus wissen wir, dass er sich 1637 mit dem Götz’schen Regiment (Kap.8) in Westfalen, speziell auch in Vechta, aufhielt. Die hiesige Bevölkerung litt damals wie überall im Deutschen Reich hauptsächlich unter den ständig wechselnden Besatzungen, deren Aushebungen und Plünderungen. An eine kirchliche oder weltliche Ordnung war kaum zu denken. 1638 eroberten die kaiserlich –katholischen Truppen unter von Hatzfeldt die Stadt, 1647 bis 1654 hielt der schwedisch-protestantische Generalfeldmarschall von Königsmarck Vechta besetzt. Als der münstersche Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen 1654 sechs Jahre nach offiziellem Ende des Krieges die Stadt endlich freikaufen konnte, atmete die Bevölkerung auf. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern, bis sich das Land wirtschaftlich und gesellschaftlich erneuert hatte. Wen wundert es, dass sich diese Zeit nachhaltig durch Geschichten und Sagen im Bewusstsein der Bevölkerung verankerte. Eine der bekanntesten ist die Sage vom kaiserlichen Rittmeister Lambert Sprengepiel. Wenn Brechts „Mutter Courage“ auf dem ehemaligen Zitadellengelände aufgeführt wird, so geschieht dies auf historischem Boden des alten Gutes Falkenrott, dass zwischen 1643 und 1658 im Besitz Sprengepiels war.

Weniger bekannt sind zwei andere Überlieferungen: Die Sage wie das Schicksal, das die Norddöllerin Heilwig Bestmann erleidet, klingen wie eine Fortsetzung des Grimmelshausen’schen Courasche-Romans. Heilwig, beschrieben als Zigeunerin (wie die Courasche im letzten, 28.Kap.) wird als Hexe angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. „…… Heilwig Bestmann war allerdings ganz anders als die anderen Frauen. Sie gab nichts auf’s Jäten, Pflanzen und Melken, trug auch niemals Holzschuhe, sondern wusste sich Schuhe zu nähen. Wenn der Bauer sie sommertags zur Feldarbeit bestellte, dann war sie harthörig. Sie lustwandelte, zu anderer Leute Ärger, durch Feld und Wald und sammelte Wurzeln und Kräuter. Aus ihnen verfasste sie allerlei Salben und Tränklein zum Heilen und Helfen. Solche Wissenschaft hatte sie sich im Feldlager in früheren Jahren aufgetan. Ihr Mann war nämlich Söldner im Kriege gegen die Türken gewesen. Als er bei einem Treffen den rechten Arm verlor, mussten sie bettelnd durch die Lande ziehn; und als sie diesen Erdenwinkel mit friedsamen Bauern fanden, krochen sie mehr als gern in eines Bauern Backhaus. Hierdrin war ihr Mann hernach gestorben und hier hatte sie mit ihrem Sohne weiterhin gehaust. … Sonntags war sie von je allen ganz fremdartig erschienen. Sie trug dann ein buntes Kleid mit schönen Fransen und blanken Spangen, hatte die schwarzen Flechten akkurat umeinander gelegt und ließ große Ringe von den Ohren baumeln. ….“
In der Geschichte des „Eisernen Birnbaum“ verbinden sich zwei Sagen aus dem Dreißigjährigen Krieg: Die Eroberung Vechtas 1647 durch die Königmarck’schen Truppen und die Geschichte zweier Liebender, die sich einander versprachen. Von dem „Eisernen Birnbaum“ sollen die schwedischen Truppen die Stadt Vechta mit Kanonen beschossen haben. Hier gaben sich vielleicht 1653 zur Birnenernte ein Vechtaer Mädchen und ein Königsmarck’scher Soldat die Hand. Als sie 1654 nach einem Jahr heiraten wollten, war der Soldat mit seinen Truppen aus Vechta abgezogen und hatte sein Liebchen sitzen gelassen. Die Courasche bei Grimmelshausen (Kap.25) hat sich auf Grund ihrer Lebenserfahrung keine Hoffnungen mehr gemacht, als sie sich unter dem Birnenbaum vergnügte.

 

Plan mit Aufenthaltsorten

 

Vechta hat eine rund 900-jährige Gefängnistradition, die um 1100 mit dem Verlies auf der Burg begann. Als Vechta 1813 dem Herzogtum Oldenburg zugewiesen wurde, verlegten die Oldenburger ihren Strafvollzug hierher.

Bereits 1816 kamen die ersten 15 Frauen aus Oldenburg, um ihre Strafen im neuen Zwangsarbeitshaus, dem ehemaligen Zeughaus und heutigen Museum, abzusitzen. Kurze Zeit später kam das seit 1812 leer stehende Franziskanerkloster hinzu. 1863 entstand das „Weibergefängnis“ an der Bahn und 1904 das jetzige Männergefängnis an der Willohstraße. Der Oldenburger Strafvollzug hatte in Vechta folgende Formen: - Zuchthaus, Arbeitshaus und Gefängnis - Männervollzug und Männerjugendvollzug - Frauenvollzug und Frauenjugend-vollzug

1933 wandelte man das Frauengefängnis an der Bahn für knapp ein Jahr in ein Konzentrationslager um. Danach war dieses Gebäude im Dritten Reich Arbeitslager für französische und belgische Frauen, nach dem 2. Weltkrieg bis 1956 Frauenjugendgefängnis, dann Jugendgefängnis und seit 2009 wieder Frauenvollzug. Das ehemalige Zeughaus dagegen wurde durch die Umstrukturierung des Strafvollzuges nach dem 2. Weltkrieg zu einem Teil des Jugendgefängnisses (1955) und hieß bis zur Schließung 1991 „Jugendlager Falkenrott“.

Hans Ulrich Franck (1603 -75): Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster. Aus: Teske, Gunnar, Bürger, Bauern, Söldner und Gesandte, 1998, S. 115

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) zerstörte nicht nur viele Millionen Menschenleben  und Gebäude sondern auch das soziale und kulturelle Miteinander. Die Auswirkungen des Krieges zeigten sich vielfach erst nach seinem Ende. Der Wiederaufbau der Landwirtschaft, des Handels und Verkehrs dauerte länger als der Krieg selbst, denn durch die Kriegsschulden blutete das Land ein zweites Mal aus.

In Norddeutschland begann der Krieg erst 1622.  Danach verwüsteten Protestanten und Katholiken abwechselnd das Land, ohne Rücksicht auf die ländliche Bevölkerung. Keine Seite konnte den endgültigen Sieg erringen. Anderthalb Jahre vor der Beendigung des großen Krieges flammten die Kämpfe im Niederstift noch einmal auf, als die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück längst begonnnen hatten. Der schwedische General Hans Christoph Graf von Königsmark nahm am 16. / 26. Mai 1647 nach vergeblichem Sturm Vechta durch Kapitulation ein. Die Hälfte aller  Häuser lag in Schutt und Asche und die Kirche wies schwere Schäden auf, so stark war die Stadt beschossen worden. Der kaiserliche Kommandant Graf von Arch wurde gefangen  genommen und ins hessische Hauptquartier nach Hamm geführt. Die Besatzung (700 Mann) nahm schwedische Dienste an. Die Amtshandlungen der münsterischen Drosten, aber auch die Tätigkeit der Gerichte ruhten. Erst 1654, sechs Jahre nach offiziellem Friedensschluss, gelang es dem Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen durch Zahlung der Kriegsschulden, den Abzug der schwedischen Truppen nach Wildeshausen zu bewirken. Der Krieg war zu Ende.

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